Einrichtung, Bezeichnung und Bestimmung der Zimmer des Hauses gehen auf den Stand von 1910, dem letzten Lebensjahr Tolstois, zurück. Die von drei Generationen angesammelte Bibliothek, alte Möbel, Gemälde der Vorfahren, Familienikonen und viele andere Gegenstände – insgesamt über 33 Tausend – leben in diesem Haus ihr Leben weiter.
Der Saal
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Dieses Zimmer diente der Familie zugleich als Wohn- und Esszimmer und hieß „Saal“. Am großen Tisch versammelte sich die ganze Familie zu Mittagessen. Hier wurde gerne vorgelesen und Schach gespielt, hier erklangen oft klassische Musik (Chopin, Haydn, Weber, Mozart, Tschaikowskij), alte russische Romanzen und Lieder. Zu Weihnachten schmückte man hier einen Tannenbaum und veranstaltete Kostümfeste. Hier wurden Gäste der Familie empfangen, u. a. die Schriftsteller I. S. Turgenev, A. P. Tschechow, A. A. Fet, W. G. Korolenko, die Komponisten C. I. Tanejew, A. B. Goldenweiser, die Maler I. N. Kramskoi, I. E. Repin und N. N. Ge. Die Werke der letzteren, die Porträts von Leo Tolstoi und seiner Familienmitglieder, bilden eine wahre Verzierung des Saals.
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Das berühmteste davon ist das Porträt Leo Tolstois, das von I. N. Kramskoi im Herbst 1873 in Jasnaja Poljana gemalt wurde. Im Jahr 1904 hat Sofia A. Tolstoi, die sich für Malerei begeisterte, das Porträt kopiert. Die Kopie ist gelungen und legt uns Zeugnis von der offensichtlichen Begabung von Tolstois Frau ab.
Das zweite Porträt Leo Tolstois wurde von I. E. Repin während seines ersten Aufenthaltes in Jasnaja Poljana im August 1887 gemalt.
Wunderbar sind auch die Porträts von Tolstois Frau und seinen älteren Töchtern Tatjana und Maria, die von W. A. Serov (1892), I. E. Repin (1893) und N. N. Ge (1886) stammen. Ge und Repin waren zudem die Autoren der frühen Plastiken von Leo Tolstoi, die sich auch im Saal befinden, ebenso wie eine Skulptur des Schriftstellers des Bildhauers P. Trubezkoi sowie der Büste von Sofia Tolstoi, die Tolstois Sohn Leo geschaffen hat.
Das Wohnzimmer
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Dieses Zimmer ist mit Tolstois Frau Sofia Andrejevna verbunden. Hier empfing sie ihre Gäste, hier schrieb sie die Manuskripte ihres Mannes ins Reine. „Meine Seele, mein Schatz, die Allerbeste auf der Welt!“ – diese Worte Tolstois in einem Brief vom 20. Juni 1867 weisen auf große Bedeutung dieser Frau in seinem Leben hin. Fast ein halbes Jahrhundert begeleitete so eine einfühlsame, fürsorgliche und zärtliche Freundin den Schriftsteller, eine aufmerksame und fleißige Helferin in seinem Schaffen, die Mutter seiner 13 Kinder, eine Hausfrau, eine begabte und herausragende Persönlichkeit. Jede Aufgabe, an die sich Sofia Andrejevna machte, erfüllte sie kreativ, gründlich und stets brachte sie auch einen Teil ihrer selbst ein. Freunde der Familie und Angehörige sprachen oft von den „19 Talenten“ der Sofia Tolstoi. Sie konnte z.B. gut zeichnen, kneten, dichten und Erzählungen schreiben, unterrichteten, nähen, stricken, fotografieren und einen großen Haushalt führen. Eine ihrer Lebensaufgaben aber war das Abschreiben der Manuskripte von Leo Tolstoi und die Veröffentlichung seiner Werke.
Die Zimmerflucht. Die Aussicht aus dem Arbeitszimmer von Leo N. Tolstoi
„Wenn Vater schrieb, meinten weder er selbst noch wir Familienmitglieder er „arbeite“; sondern es hieß immer: „Er beschäftigt sich“ … Wenn er sich „beschäftigte“, traute sich niemand, bei ihm einzutreten, selbst meine Mutter nicht: Er brauchte absolute Stille und die Gewissheit, dass niemand seine Beschäftigung unterbrechen würde. Wenn er im Zimmer mit dem großen italienischen Fenster arbeitete, wurden die beiden Türen – vom Saal und vom Wohnzimmer her – abgeschlossen“. ( S . L . Tolstoi . Essays aus der Vergangenheit )
Das Arbeitszimmer von Leo N. Tolstoi
Vier Zimmer des Hause dienten– zu jeweils verschiedenen Zeiten – dem Schriftsteller als Arbeitszimmer. Dieses Zimmer war insgesamt etwa 15 Jahre lang sein Arbeitszimmer: Es war sein erstes von 1856 – 1862 und auch sein letztes vom Sommer 1902 bis 1910. Wenn das Arbeitszimmer von einem Raum in einen anderen verlegt wurde, bat Tolstoi immer, auch die Couch und den Schreibtisch mitzunehmen. An diesem Schreibtisch schuf der Schriftsteller etwa 200 seiner Werke, darunter die Romane „Krieg und Friede“ sowie „Anna Karenina“.
Die Couch
Auf dieser Couch wurden Leo Tolstoi, seine Brüder und seine Schwester, acht seiner insgesamt 13 Kinder und einige Enkelkinder geboren. Sie finden in Tolstois Werken Erwähnung. Auf der Couch liegen drei Kissen: auf dem großen Wachstuchkissen ruhte meist Leo Nikolajewitsch selbst; das Tuchkissen mit der Applikation hat die Tochter Maria Lvovna gefertigt; das Lederkissen schließlich war ein Geschenk zum 80. Jahrestag des Schriftstellers von einer russischen lokalen Selbstverwaltung.
Die Glocke „Schildkröte“
„Nachdem Leo Nikolajewitsch einen Brief durchgelesen hatte, drückte er auf den Schwanz der Metallschildkröte, die auf seinem Schreibtisch stand, und es ertönte eine Glocke; Dies war das Zeichen, dass Leo Nikolaewitsch mir die Antworten auf die Briefe diktieren wollte. Ich kam unverzüglich mit Papier und Bleistift“. (N. N. Gussew. Zwei Jahre mit Tolstoi)
Die kleine Tonvase, in die Leo N. Tolstoi gerne Blumen hineinstellte, und das Herbarium mit von ihm selbst gesammelten Pflanzen. Die Lieblingsblumen von Leo Tolstoi waren die wohlriechenden Platterbse und Reseda. „Wenn er von einem Spaziergang zurückkam“, - erinnert sich der älteste Sohn des Schriftstellers, Sergej Lwowitsch, - „brachte er immer eine für unsere Gegend seltene Blume, eine besonders große Ähre oder Ähnliches mit. Im Frühjahr war es eine rote Blume vom Haselnussstrauch, im Herbst – ein besonders schön gefärbtes Blatt; die er – selbst ganz begeistert - uns dann zeigte“.
Der Schriftsteller hatte einen feinen Sinn für die Schönheit der Wälder, Felder, des Himmels und sagte immer wieder: „Wie viel Gutes der Herr in sich birgt! Die Natur ist unendlich vielseitig; jeder neue Tag unterscheidet sich von dem gestrigen, jedes Jahr gibt es unerwartetes Wetter“.
Das Schlafzimmer von Leo N. Tolstoi
Dies ist das einzige Zimmer im Haus, das seine Bestimmung nie geändert hat:: Leo Tolstois Schlafzimmer. Die alten Möbel - der Kleiderschrank und das Waschbecken - hatten noch dem Vater des Schriftstellers gehört. Alte Sachen schätzte Tolstoi sehr, weil sie in ihm „ehrliche Familienerinnerungen“ hervorriefen. In diesem Zimmer finden sich auch Porträts von Familienangehörigen, die er besonders gern hatte: des Vaters, der Ehefrau, der Töchter. Daneben befinden sich die Kleidung von Tolstoi, die auf den ersten Blick sehr an die Bauernkleidung erinnert, sowie einige seiner persönlichen Sachen: Hanteln für Gymnastikübungen, Reitpeitsche, Schemel …
Der Schemel von Leo N. Tolstoi
Der Schriftsteller ging gern in der Umgebung von Jasnaja Poljana spazieren, oft ging er auf weitere Wanderungen. 1881 besuchte er das Kloster „Optino Pustyn“. 1886, 1888 und 1889 ging er zu Fuß von Moskau nach Jasnaja Poljana. „Müde werden“, - schrieb er, - „ja sogar sehr müde werden, an der frischen Luft oder bei der Feldarbeit ist etwas in jeder Hinsicht Positives…“
Der elektrische Bleistift
Das Porträt von Maria Lvovna, eine Arbeit von Tatjana Lvovna Tolstoi.
Leo N. Tolstoi schrieb über Maria: „Maria, die Tochter, ist so gut, dass ich stetst an mich halten muss, sie nicht zu überschätzen“.
Das Zimmer von Sofia A. Tolstoi
Dieses Zimmer ist auf dem Stand von 1919 – dem letzten Lebensjahr von Sofia Andrejevna – erhalten geblieben. Das Schlafzimmer von Tolstois Ehefrau ähnelt keinem der anderen Zimmer im Haus. Besonders beeindruckend ist die Unmenge von Fotographien, die die Besucher daran erinnern, dass hier eine Mutter und Großmutter mit reicher Nachfahrenschar gewohnt hat. Unter den Familienreliquien in diesem Zimmer sind die altertümlichen Ikonen hervorzuheben, die von Generation zu Generation in der Familie weiter gegeben wurden.
Hier wohnte Sofia A. Tolstoi bis zu ihrem Tode. „Meine Mutter", - so schreibt die Tochter Tatjana Lvovna in ihren Erinnerungen, - "überlebte den Vater um neun Jahre. Sie starb, umgeben von ihren Kindern und Enkeln… Sie spürte, dass sie sterben würde. Ergeben erwartete sie ihren Tod und nahm ihn demütig an.“ Bestattet wurde Sofia Andrejevna auf dem Familienfriedhof der Tolstois neben der Nikolai-Kirche in Kotschaki, 2 Kilometer südlich von Jasnaja Poljana.
Ivan Lwowitsch Tolstoi (Vanetschka), 1885 – 1895.
Er war der jüngste und zugleich letzte Sohn von Leo N. und Sofia A. Tolstoi.
“Er war der Liebling der ganzen Familie – intelligent, interessant, begabt, geradezu genial für seine sechs, sieben Jahre. Er sprach drei Fremdsprachen, schrieb Kurzgeschichten, interessierte sich für die Gespräche der Erwachsenen, in die er sich mit trefflichen Bemerkungen einmischte, die tatsächlich berücksichtig wurden“, - erinnert sich Tolstois Enkelin Anna Iljinitschna.
Die Hirtenpfeife, das Lieblingsspielzeug von Vanetschka Tolstoi.
Das Sekretärszimmer
Ab 1907 wohnten und arbeiteten in diesem Zimmer die Sekretäre des Schriftstellers. Zu ihren Pflichten zählte die Arbeit an den Rohfassungen und Manuskripten von Tolstoi, das Sortieren der Briefe und Telegramme sowie teilweise die Beantwortung selbiger. In seinen letzten Lebensjahren erhielt Tolstoi an manchen Tagen bis zu 35 Briefe sowie viele Zeitungen und Zeitschriften. Seine Sekretäre tippten auf der Schreibmaschine „Remington“, weswegen dieses Zimmer manchmal auch das „Remingtonzimmer“ genannt wurde.
Die Bibliothek
Im Sommer, wenn es im Arbeitszimmer zu heiß wurde, kam Tolstoi hierher zum Arbeiten. In diesem Raum wird der größte Teil seiner Büchersammlung aufbewahrt. Die persönliche Bibliothek von Leo N. Tolstoi zählt ca. 23.000 Einheiten.
Dabei handelt es sich um russische und ausländische Druckerzeugnisse vom 17. Jahrhundert bis zum Jahr 1910: Bücher, Zeitschriften, Zeitungen, Karten, Atlanten, Kunstalben, Notenhefte. Einige davon hatte Tolstoi von seinen Eltern geerbt, andere erwarb er selbst, wieder andere bekam er geschenkt. Hier gibt es Bücher zu Geschichte, Philosophie, Religion, Ästhetik, Volkskunst und vielem anderen mehr. Einige der Bücher enthalten Widmungen herausragender Zeitgenossen Tolstois.
In den Büchern sind viele Kennzeichnungen des Schriftstellers zu finden: Unterstreichungen im Text, Nagel- oder Bleistiftmarkierungen an den Seitenrändern oder doppelte Eselsohren. Dies können Wortkennzeichnungen sein oder Einschätzungen nach einem Fünf-Punkte-System, von 0 bis 5+++. Dank einer Chiffrierung von Sofia A. Tolstoi, steht jedes Buch an seinem ursprünglichen Platz.
Auch unter den Notenheften sind viele interessante Exemplare erhalten geblieben. Es sind Werke, die man in Jasnaja Poljana gerne hörte und aufführte: gesammelte Werke von F. Chopin, Geigen- und Klaviersonaten von Beethoven, Werke von Mozart, Weber, Haydn, Partituren der Opern von Glück, Romanzen von M. Glinka. Erhalten sind einige altertümliche handgeschriebene Alben, die noch den Tanten von Leo Tolstoi gehört hatten. Es gibt auch handgeschriebene Alben, die Sofia A. Tolstoi gehörten. Besonders interessant ist eines davon – ein Album mit Romanzen von S. I. Tanejev, seinem Schüler Pomerantzew und von A. B. Goldenweiser. Sie wurden von den Autoren eigenhändig niedergeschrieben. Erhalten geblieben sind zudem Notenaufzeichnungen von Tolstois Söhnen Sergej und Michail.
Das Gewölbezimmer
Dieses Zimmer war ursprünglich die Vorratskammer gewesen, doch bereits zu Tolstois Lebzeiten wurde der Raum anderweitig genutzt und mit einem Ofen beheizt. Unter dem Gewölbe herrschte immer eine tiefe Stille. Vielleicht war dies auch der Grund, weshalb Tolstoi gerade in diesem Zimmer mehr als 20 Jahre lang gearbeitet hat. In den frühen 60-er Jahren des 19. Jahrhunderts wurden hier die ersten Kapitel von „Krieg und Frieden“ niedergeschrieben.
Später arbeitete Leo Tolstoi in diesem Zimmer an seinen Theaterstücken („Die Macht der Finsternis“, „Lebender Leichnam“ ) und philosophischen Abhandlungen („Was ist Kunst ?“, „Das Reich Gottes ist in euch“). Hier schrieb er einige Kapitel des Romans „Auferstehung“, seine berühmten Erzählungen „Vater Sergius“, „Die Kreuzersonate“. Hier schloss er „Der Tod des Ivan Iljitsch“ ab und begann mit „Hadschi-Muhrat“. Ab 1902 wohnten die Töchter des Schriftstellers unter dem Gewölbe.
Das Gästezimmer
Dies ist ein großes Zimmer mit einem steinernen Balkon zum Garten hin; von 1871 – 1887 war es das Arbeitszimmer von Leo N. Tolstoi. Hier wurde der Roman „Anna Karenina“ geschrieben, hier arbeitete der Schriftsteller an seiner „Fibel“ und an anderen Werken. Tolstois jüngste Tochter Alexandra Lvovna schreibt darüber in ihrem Buch „Vater“: „Das Arbeitszimmer war durch Bücherschränke in zwei Teile geteilt, in der Mitte der Zwischenwand war eine Tür, darüber – ein Querbalken. In sein Arbeitszimmer ließ Tolstoi seinen Schreibtisch, die Ledermöbel und die Ledercouch hineinstellen, auf der seine Kinder geboren worden waren. Und tief in einer Nische in der Wand stand die Büste seines geliebten älteren Bruders Nikolai“. In diesem Zimmer wurde am 9. (21.) November 1910 auch der Sarg mit dem Leichnam von Leo N. Tolstoi zum Abschied aufgestellt.
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Die Büste von Nikolai Nikolajewitsch Tolstoi, eine Arbeit von Gifts.
„Es war einer der besten Menschen, die ich im Leben traf, und zugleich mein Bruder, mit dem meine besten Lebenserinnerungen verbunden sind; mehr noch: er war mein bester Freund“ (Leo N. Tolstoi)
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